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Sag Nein zu Gewalt!

 

Zwischen Drogen, Gangstertum, Rassenhass und Aids setzt das Projekt „Life Choices“ der Salesianer Don Boscos in Kapstadt auf einen Wertewandel der jungen Generation. Ihr Ziel: Kinder und Jugendliche stark zu machen gegen Aids, Armut und Gewalt. Ein Gespräch mit der Sozialpädagogin und Leiterin des Projekts, Sofia Neves (35).

 

 

Sozialpädagogin Sofia Neves
Sie arbeiten mit Kindern und Jugendlichen in Südafrika, stammen aber selbst aus Portugal. Sind die Probleme und Lebenswelten in Europa überhaupt mit denen der jungen Menschen in Südafrika vergleichbar?
Doch, natürlich. Die Kids hören die gleiche Musik, sie sind medienaffin und besonders im Internet aktiv unterwegs. Drogen und Gewalt gibt es in Europa und in Südafrika, und auch die Problematik der Immigranten. Ein großer Unterschied ist aber, dass Kinder in Afrika oft keine Eltern haben und der Familiensinn ganz anders ist.

 

Sexuelle Gewalt gegen Frauen, Gewalt unter Jugendlichen und in der Familie, Diskriminierung und Ausgrenzung sowie Jugendgangs sind nicht nur in Südafrika ein Thema. Was möchten Sie in Ihren Projekten vermitteln?
Unsere Aussage ist einfach und ganz im Sinne Don Boscos: Wir wollen, dass ihr gute Staatsbürger und Christen werdet. Wir geben euch eine Anleitung, eine Richtschnur, indem wir euren Geist und euren Verstand stärken. Doch am Ende jedes Tages steht ihr vor der Entscheidung, was ihr aus eurem Leben machen wollt. Die Welt steht euch offen, das sagt unser Titel „Life Choices“.

  

Jungen Menschen Werte und eine Zukunftsperspektive zu vermitteln, ist die eine Seite. Die andere: Wie können Sie Eltern in der Erziehung stärken?
Oft werden Eltern für das Fehlverhalten ihrer Kinder verantwortlich gemacht.
Die Eltern in den „Townships“ sind praktisch alle aus der Unterschicht, das heißt, sie haben eine geringe oder gar keine Schulbildung, haben schlechte Berufsausbildungen, sind oft arbeitslos und leben in Armut oder an der Armutsgrenze. Die Eltern kämpfen schon ums Überleben und wissen oft gar nicht, was sie tun sollen, was sie sagen sollen. Sie schämen sich für ihr Leben. Aber fast immer wollen die Eltern das Beste für ihr Kind. Wir müssen daher Plätze finden, wo wir die Eltern erreichen. Das ist gar nicht so einfach. Wir bieten Kurse an, in denen wir ihnen vermitteln, dass es schon wichtig ist, wenn sie Zeit mit den Kindern verbringen, mit ihnen ein Spiel spielen. Dafür muss man nicht reich sein. Und da bekommen wir positive Rückmeldungen von den Kindern.

 

Welchen Tipp geben Sie Eltern, die sich mit der Erziehung ihres Kindes völlig überfordert fühlen, weil das Kind zum Beispiel die Schule abbrechen will, klaut oder gewalttätig ist?
Wir müssen mit Profi s zusammenarbeiten, mit den Lehrern, mit Sozialarbeitern und Drogenberatern. In Südafrika ist aber das Problem, dass es praktisch keine Vorbilder gibt. Es ist also völlig normal, wenn man die Schule verlässt.

 

Was können Eltern aktiv tun, um präventiv bei ihren Kindern gegen Gewalt, Ausgrenzung und Diskriminierung vorzugehen?
Eltern haben nicht die volle Kontrolle über das Leben ihrer Kinder, aber sie können immer den Dialog anbieten und versuchen, zu erklären. Die Kommunikation ist das Allerwichtigste, gerade bei Tabuthemen wie Sexualität. Eltern können vermitteln, dass sie auch nicht alles wissen, aber sie können ihre Lebenserfahrungen anbieten. Das ist auch oft eine Hilfe. Prinzipiell muss Kindern aber schon vermittelt werden, dass sie andere Menschen nicht verletzen dürfen und dass Schreien und Schlagen keine Lösungen in einem Streit sind.

 

Gewalt in der Familie ist auch in Ihrem Programm ein Thema. Wo beginnt Gewalt gegen ein Kind?
Wenn sich ein Kind nicht weiterentwickeln kann aufgrund der Rahmenbedingungen, in denen es lebt, dann spreche ich von Gewalt. Alles, was den Kinderrechten der Vereinten Nationen widerspricht, kann daher als Gewalt angesehen werden. In der Kinderrechtskonvention ist nach den vier Grundprinzipien formuliert: Erstens hat das Kindeswohl immer Vorrang. Das zweite ist das Kinderrecht auf Partizipation und damit verbunden die angemessene Einbindung bei Entscheidungen, die die Kinder selbst betreffen. Drittens das Recht auf Leben, Überleben und Entwicklung. Die Existenzsicherung und die bestmögliche Entfaltung müssen gewährleistet sein. Und viertens das Verbot der Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Staatsangehörigkeit, Sprache, Geschlecht, Religion, Behinderung oder Vermögen der Eltern.

 

 

Interview: Sophie Wöginger
Fotos: Bernd Weisbrod

 

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