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Vom Spielplatz an die Front 

 

„Ob ich Menschen getötet habe? Das weiß ich nicht. Darüber habe ich nicht nachgedacht, wenn ich den Mörser abgefeuert habe. Aber einmal habe ich einen Hund getroffen und ihn sterben sehen. Da habe ich die ganze Nacht geweint.“

    

Marwin (19) war Kindersoldat in Sri Lanka. Heute ist er als Ausbilder für junge Menschen da, die wie er Grauenhaftes erlebt haben.
M arwin ist 19 Jahre alt. Heute ist er Schreiner und Ausbilder im Berufsbildungszentrum der Salesianer Don  Boscos in Negombo/ Sri Lanka. Hier hat auch er seine Ausbildung absolviert – nach seiner Flucht. Marwin war Kindersoldat. Anderthalb Jahre hat er für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gekämpft, eine paramilitärische Organisation, die die Unabhängigkeit des von Tamilen dominierten Nordens und Ostens Sri Lankas forderte. Über 25 Jahre lang herrschte in Sri Lanka Bürgerkrieg. Während im singhalesischen Süden der Insel in den 90er-Jahren der Tourismus boomte, litten die Menschen im Norden unter einem zunehmend „heißen“ Krieg mit Luftangriffen, Vertreibungen und Kampfhandlungen.

Tausende Minderjährige haben während des Bürgerkrieges für die LTTE gekämpft. Manche schlossen sich freiwillig dem Befreiungskampf an, viele wurden zum Kämpfen gezwungen. Unicef zählte allein zwischen 2003 und 2008 mehr als 6.000 rekrutierte Kinder. Kinder wie Marwin.

„Ich war 15, als ich auf einem Spielplatz auf meine Freunde wartete und plötzlich ein Motorrad anhielt. Das waren LTTE-Kämpfer, das wusste ich.“ Sie zerrten ihn auf das Motorrad und nahmen ihn mit. Dass Jugendliche plötzlich verschwanden, war in seinem von der LTTE besetzten Dorf keine Seltenheit. „Jeder wusste das. Wenn abends jemand nicht nach Hause kam, hatte ihn die LTTE eingezogen. Von meinen Mitschülern waren schon einige nicht mehr aufgetaucht.“ Das Camp, in das sie ihn brachten, lag nur fünf Kilometer von seinem Heimatdorf entfernt im Dschungel. Mit 35 weiteren Jungs lernte er alles, um an der Front kämpfen zu können: Gewehre bedienen, schnelles Laufen, Verstecken und Verwundete tragen. „Die ersten Tage habe ich kaum geschlafen und gegessen. Ich hatte wahnsinnige Angst und wollte fliehen, aber uns Neuankömmlinge bewachten sie auf Schritt und Tritt.“ Ein Fluchtversuch, den er schließlich wagt, wird hart bestraft. Die anderen Jungs, die mit ihm im Camp zusammen ausgebildet werden, müssen ihn schlagen und zusammentreten, bis Marwin nicht mehr laufen kann.

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