Ratgeber
Das Leben als Geschenk begreifen
Wir, 67 und 71, leben recht gut von unseren Renten. Wir haben keine Kinder und sind der Meinung, dass wir uns nach einem arbeitsreichen Leben jetzt etwas gönnen dürfen. Wir reisen viel und gehen oft aus. Wir unterstützen aber auch mehrere wohltätige Organisationen. Müssen wir ein schlechtes Gewissen haben, weil wir es uns gut gehen lassen?
H. und A. S., Nürnberg
P. Franz-Ulrich Otto: Zunächst freue ich mich, dass Sie Ihr Leben aktiv gestalten und gemeinsam glücklich sind. Das ist ein Wert, den Sie anerkennen und schätzen mögen. Nach einem arbeitsreichen Leben haben Sie die Freude am Leben nicht verloren. Sie unternehmen etwas und versuchen, sich gegenseitig glücklich zu machen. Dafür brauchen Sie kein schlechtes Gewissen haben. Leider schaffen es manche Ehepartner nicht, sich so gegenseitig zu stützen, sondern vereinsamen gemeinsam. Von daher ist es mir wichtig, das gemeinsame Tun und die Freude daran sehr zu betonen.
Ein anderer Aspekt, den Sie andeuten, ist das soziale Tun. Es hat mal jemand gesagt: „Lieben heißt, das Glück des anderen suchen!“ Dies kommt bereits zur Geltung, wenn Sie aufeinander achten, dass es dem anderen gut geht und er bzw. sie glücklich ist. Darüber hinaus können Sie dieses Lieben natürlich auch auf andere Menschen ausweiten, je nach Ihren Möglichkeiten. Wohltätige Organisationen zu unterstützen, ist eine gute und wichtige Form, wenn es Ihre Möglichkeiten zulassen. Auch kann es für Sie hilfreich sein, wenn Sie in Ihrem Umfeld schauen, ob es Menschen gibt, die einsam sind und Unterstützung suchen. Ich bin sicher, es gibt viele Möglichkeiten, anderen zum Glück zu verhelfen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie durch Hilfen für andere wie auch durch gemeinsame Unternehmungen Ihr Glück vermehren und das Leben tagtäglich als Geschenk begreifen mögen, immer mehr. .
Interesse am Gottesdienst ist abgeflaut
Unser Sohn, 8, ist heuer zur Erstkommunion gegangen. Bei der Vorbereitung war er eifrig und hat sich auf den Tag gefreut. Seitdem ist sein Interesse am Gottesdienst aber sehr abgeflaut. Wie können wir es schaffen, dass der gute Kontakt zur Kirche, der in den vergangenen Monaten entstanden ist, nicht ganz verloren geht?
Maria Breitenbrunner, Linz
Sr. Elisabeth Siegl: Verlieren Sie nicht den Mut, wenn Ihr Sohn nicht ganz so euphorisch bleibt. Natürlich ist dieErstkommunion ein großes Fest, und danach kehrt so etwas wie der Alltag ein. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass Sie als Eltern zunächst den Kontakt zur Pfarrei halten. Wenn Ihr Sohn spürt, dass Ihnen der Gottesdienst wichtig ist, ist er wahrscheinlich auch offener. Nehmen Sie Ihren Sohn ernst – vielleicht erzählt er, warum sein Interesse am Gottesdienst abgeflaut ist. Schauen Sie sich um, ob es spezielle Angebote für seine Altersgruppe gibt. Wir erleben oft, dass Kinder gerne in die Kirche kommen, wenn sie eine Aufgabe haben, wenn ihnen etwas zugetraut wird. Darum sind viele Mädchen und Jungen begeisterte Ministranten oder singen und musizieren im Kinderchor mit. In die Gemeinschaft hineinzuwachsen, braucht Zeit. Vielleicht können Sie mit anderen Eltern ins Gespräch kommen, denen es ähnlich geht. Auf diese Art und Weise sind schon viele neue Initiativen in Gemeinschaften und Pfarrgemeinden entstanden. Bleiben Sie dran, ohne Druck auszuüben!
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