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Der Entwicklungshelfer

Ein Haus entsteht. Eine kleine Farm, mitten auf einem Acker mit reich bedeckten Bananenstauden in Sihanoukville, einer Hafenstadt im Süden Kambodschas. Die Umrisse des Bauernhauses sind bereits abgesteckt. Fleißige Arbeiter setzen ein Stein auf den anderen. Zwei Landwirte werden hier wohnen, Schweine, Hühner und Kühe versorgen und die Landwirtschaft einer benachbarten technischen Schule betreiben. Hans Jürgen Küchle beobachtet den Fortgang der Arbeiten. Er ist aufmerksam, verfolgt jeden Handgriff kritisch. Der 69-jährige hat für den Bau der kleinen Farm die Verantwortung übernommen. Er gibt Anweisungen, organisiert, hält Kontakt zu Architekten und Baufirmen, überwacht die Sicherheit und packt selber mit an.

 

Eigentlich ist Küchle längst im Ruhestand. Doch die Rentnerbank seines fränkischen Wohnorts Maroldsweisach tauscht der gebürtigen Immenstädter seit fünf Jahren regelmäßig gegen die weite Welt ein. Als Senior-Experte für Entwicklungshilfe mauert der Familienvater und Opa Häuser für Straßenkinder in Kambodscha. Er ist dabei, wenn die Salesianer Don Boscos ein Jugendzentrum mit Medizinstation und Kirche im Kongo bauen. Und demnächst mischt der ehemalige Sprengmeister beim Aufbau eines Kinderhospitals in Liberia mit. „Die Arbeit als Senior-Experte macht mir viel Freude. Man sieht, dass man noch gebraucht wird“, freut sich der 69-Jährige. Zu ruhig sei ihm der Ruhestand gewesen. Diese „furchtbare Langeweile“ habe er nicht ausgehalten.

 

Küchle bewarb sich beim Senior Experten Service (SES). So wie gut 8.400 andere Helfer, die in der Kartei der Bonner Organisation gelistet sind. Der mit Unterstützung der deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung gegründete SES leistet mit aus dem Berufsleben ausgeschiedenen Fachleuten Hilfe zur Selbsthilfe. Mehr als 1.600 Einsätze haben die ehrenamtlichen Fachkräfte im Jahr 2009 geleistet. Meist in Entwicklungs- oder Schwellenländern.

 

Anfang Oktober wird Hans Jürgen Küchle 70. Seinen Ehrentag wird der Senior-Experte vermutlich in den Tropen verbringen. Wie schon in den vergangenen fünf Jahren. „Das hat etwas mit dem Ende der Regenzeit zu tun. Dann kann man mit dem Bauwesen wieder loslegen“, sagt Küchle. In der Nähe von Battambang im Westen Kambodschas wird der 69-Jährige ein Schulgebäude errichten. Er wird Jugendliche der Schule vor Ort mit einbinden, ihnen praktisch zeigen, was sie theoretisch längst gelernt haben. Auf Geld hat es der Entwicklungshelfer nicht abgesehen. Er arbeitet ehrenamtlich. „Mein Lohn sind die Dankschreiben der jungen Menschen – und ihr Strahlen in den Augen.“

 

 

Text: Katharina Hennecke

Foto: Matzel/Das Bildarchiv

 

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