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Die Studentin

Wenn Claere Forster Mittwochabends um kurz vor 19 Uhr den Audimax der Münchener Universität betritt, hat sie einen langen Tag hinter sich. Bis zu fünf Vorlesungen hört die 74-Jährige jeden Mittwoch, in Kunstgeschichte, Musik, Theologie und Medizin. Den Abschluss bildet die Bavaristische Ringvorlesung, eine öffentliche Veranstaltung über wichtige Objekte der bayerischen Geschichte.

 

Claere Forster war ihr Leben lang aktiv. In den 1950er Jahren studierte die Münchenerin Pharmazie, führte später gemeinsam mit ihrem Mann zwei Apotheken im Münchener Norden. Auch als die Tochter geboren war, arbeitete Forster noch regelmäßig im Geschäft mit. Daneben trieb sie Sport, besuchte Theater und Konzerte. 1988 begann sie zusammen mit ihrem Mann das Seniorenstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität. „Nur Golf spielen und nur hier im Garten arbeiten“, erzählt die schlanke, selbstbewusste Frau, das habe ihnen damals nicht gereicht. Da sei das gerade ins Leben gerufene Studienangebot für Ältere eine willkommene Anregung gewesen. Vor fünf Jahren ist Claere Forsters Mann gestorben. Seitdem erfüllt das Studium für die Witwe einen weiteren wichtigen Zweck. Es hilft ihr, unter Menschen zu kommen, neue Kontakte zu knüpfen. „Sie bleiben ja nicht in dem  Kreis, in dem Sie zu zweit waren“, erklärt sie, „Sie müssen sich neue Leute suchen.“ Mit sechs  weiteren Frauen hat sie sich zu einer lockeren Gruppe zusammengeschlossen. Man trifft sich ab und zu in den Vorlesungen, diskutiert über die Studieninhalte, macht auch mal gemeinsam einen Ausflug.

 

Claere Fischer ist eine von mehr als 18.000 Gasthörern über 60 Jahre an deutschen Hochschulen. Fast alle Hochschulen in der Bundesrepublik bieten spezielle Studiengänge und Veranstaltungen für Ältere an. Die Seniorenstudenten machen keine Abschlüsse und müssen in der Regel keine formalen Voraussetzungen erfüllen, nur einige bayerische Unis verlangen Abitur oder Mittlere Reife. Die Studenten zahlen für das Angebot Gebühren. In München fallen je nach Anzahl der belegten  Vorlesungen bis zu 200 Euro an. Mittwochabend, 20.30 Uhr, die Vorlesung ist zu Ende. Claere Forster packt ihre Notizblätter und den schwarz-goldenen Kugelschreiber in ihre Handtasche. Dann muss sie los. Die Studentin im 44. Semester ist noch mit ihren Kommilitoninnen verabredet. Gleich um die Ecke, in der Tapas-Bar.

 

 

Text: Christina Tangerding

Foto: dpa picture-alliance

 

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