Die Hausbauer
![]()
Eine idyllische Reihenhaussiedlung mitten im Emsland. Fein säuberlich reiht sich Vorgarten an Vorgarten. Direkt hinter dem kleinen Deich und einem lauschigen Birkenwäldchen bettet sich der Dortmund-Ems-Kanal malerisch in die Landschaft. Ebene Spazierwege ziehen sich durch das Gelände und reichen bis in die gut ein Kilometer entfernte Innenstadt von Meppen, einer Kleinstadt auf halber Strecke zwischen Münster und Oldenburg. Der Freizeitwert der Gegend ist hoch, die Grundstückspreise niedrig.Acht schmucke eingeschossige Bungalows sind hier in den vergangenen Monaten entstanden. Knapp 40 sollen es einmal werden. Bagger und Kräne zeugen von regem Baugeschehen. Deutschlands erstes Dorf speziell für Senioren ab 60 nimmt Gestalt an.
Zufrieden blicken Maria und Johannes Tenbusch in die Kamera. Die beiden Mitsiebziger gehören zu den ersten Bewohnern der Siedlung. Vor gut einem Jahr bezogen sie ihr rotes Backsteinhaus mit dem kleinem Gärtchen. „Hals über Kopf“, sagt Johannes Tenbusch, habe man sich zum Haus-Bau entschieden. Jürgen, einer ihrer sechs Söhne, kaufte für seine Eltern das Grundstück und baute darauf – komplett senioren- und behindertengerecht und barrierefrei. Eigentlich waren es nur ein paar Stufen, die dem rüstigen Ehepaar das Leben in ihrem früheren Reihenhaus, nur ein paar Straßenzüge weiter, schwer gemacht hatten. Maria und Johannes Tenbusch werden in diesem Sommer 75. Sie leidet unter Arthrose. Die Kniee machen ihr zu schaffen, die Gelenke schmerzen. Er, ein ehemaliger Bergingenieur und späterer Beamter der Bundeswehr, geht gerne spazieren, liebt die Natur und seine Freiheit.
Ein Altenheim oder ein Betreutes-Wohnen-Projekt wäre für die Tenbuschs nicht in Frage gekommen: „Wir sind gewöhnt, uns selber zu entscheiden und selber zu versorgen“. Sie wollten ihre eigenen vier Wände, nur ohne Treppen, – mittendrin, und doch für sich. Noch brauchen die beiden keine fremde Hilfe. Doch es beruhigt sie, im Notfall jemanden in der Nähe zu wissen. Ihre Nachbarin, eine agile 56-Jährige, ist nicht nur Bewohnerin des Dorfes. Christa Springfeld ist auch so etwas wie die „gute Fee“. Sie organisiert Pflegedienste und auch mal eine Geburtstagsfeier, bestellt Taxi, Arzt oder Handwerker, erledigt Papierkram. Noch wird sie vom Bauträger bezahlt. In zwei Jahren, wenn das Dorf komplett bewohnt ist, werden sich die Nachbarn die Finanzierung des „gemeinsamen Personals“ teilen. „Wir werden hier nicht mehr wegziehen und in unseren eigenen vier Wänden sterben. Was gibt es schöneres“, sagt Johannes Tenbusch und blickt auf die hohe hölzerne Bretterwand, die das Seniorendorf von Meppen abtrennt. Aus Lärmschutzgründen, sagt der Bauträger.
Text: Katharina Hennecke
Foto: Stefan Schöning
Lebensentwürfe im Alter: Die Studentin
Lebensentwürfe im Alter: Der Entwicklungshelfer
Umfrage: Wären Sie gerne noch einmal 18? Senioren erzählen