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Ratgeber

Ein Vorbild für die Gruppe

Unsere Tochter (14) möchte im Herbst als Jugendgruppenleiterin in unserer Pfarre anfangen. Wir freuen uns, dass sie diese Aufgabe übernehmen möchte. Doch wir sind uns unsicher, ob ein solches Engagement im Moment gut wäre. Ihre schulischen Leistungen sind in den letzten Monaten stark gesunken und eigentlich müsste sie ihre Zeit fürs Lernen nutzen.

Horst D., Wien

P. Erich Modosch: Vielleicht kann diese Bereitschaft, eine Jugendgruppe zu leiten, auch als Motivation für die Schule dienen. Denn der Einsatz für die Gruppe ist ab Herbst, und dazwischen ist noch der Abschluss des Schuljahres, wo ihre Tochter beweisen kann, dass sie ihre Pflichten als Schülerin auch ernst nimmt. Denn als Jugendgruppenleiterin muss sie auch ein Vorbild ihrer Gruppe werden. Kinder und Jugendliche haben ein sehr feines Gespür, ob eine Gruppenleiterin wirklich gut ist, und das gilt im gesamtmenschlichen Bereich (Schule, Spiel und Beziehung, aber auch Glaube und Wertesystem).

 


Unsere Enkeltochter ist behindert

Unsere Enkeltochter (20 Monate) leidet an einer schweren Entwicklungsstörung. Bis heute steht nicht genau fest, um welche Krankheit es sich handelt. Allerdings ist die Kleine in ihrer gesamten Entwicklung weit hinter anderen Kindern ihres Alters zurück. Wir haben den Eindruck, dass mein Sohn und seine Frau sich sehr schwer tun, die Situation zu akzeptieren. Es ist ihr erstes Kind, und sie hatten sich den Alltag als Familie anders vorgestellt.

Albert und Hannelore M., Münster

Sr. Susanne Stachl: Eltern, deren Kind mit einer Behinderung zur Welt kommt, stehen zunächst oft unter Schock, sind von Ängsten geplagt oder hin- und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen. Steht eine eindeutige Diagnose noch aus, wie dies bei ihrer Enkeltochter der Fall ist, verstärkt dies die Verunsicherung der Eltern zusätzlich. Die Zukunft des Kindes, der Partnerschaft und der Familie scheint auf dem Spiel zu stehen. Bei Eltern machen sich oft auch Gefühle der Schuld breit, obwohl es keinerlei Gründe dafür gibt; sie kämpfen mit Trauer, Wut und Ablehnung. Diese Gefühle zu verarbeiten, braucht Zeit – das ist oft für beide Elternteile eine Aufgabe für viele Jahre. Auch für Sie als Großeltern ist die Situation belastend. Ihre Empfindungen können vielleicht ganz ähnlich sein wie die der Eltern, außerdem beobachten Sie die hohen Anforderungen mit Sorge, die die besondere Pflege und Förderung des Enkelkindes an Zeit, Kraft und Finanzen der jungen Familie stellt. Großeltern versuchen häufig, die Eltern des Kindes durch praktische Hilfe im Alltag zu entlasten. Das kann guttun, mitunter machen dabei jedoch die eigenen nachlassenden Kräfte einen Strich durch die Rechnung. Eine entscheidende Hilfe können Sie als Großeltern dadurch geben, dass Sie Ihr Enkelkind so wie es ist, in die Großfamilie einbeziehen, annehmen und lieben. Vielleicht gelingt es Ihnen auch, Ihrem Sohn und Ihrer Schwiegertochter zu signalisieren, dass Sie ihnen zutrauen, in ihre Rolle als Eltern ihres besonderen Kindes hineinzuwachsen – mit all der Mühsal, der Trauer, aber auch mit all den Freuden an ihrem Kind, die dazugehören.

 

Weitere Themen:

Ratgeber 1/10 - Unsere Tochter ist aus der Kirche ausgetreten

Ratgeber 2/10 - Wieviel Taschengeld ist angemessen?

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