Springen Sie direkt:



Was macht der Dino in der Kirche? Mit Kindern einen Gottesdienst zu besuchen, bedeutet für viele Familien eine Herausforderung. Zwischen launischen Gefühlsausbrüchen des Nachwuchses, Bewegungsdrang und strengen Blicken des Banknachbarn bleibt oft kaum Möglichkeit, den Gottesdienst zu genießen. Wie Eltern ihren Kindern trotzdem christliche Gemeinschaft und Spaß an der Kirche vermitteln können.

Gottesdienst für die ganze Familie: Kinder brauchen Raum für Spiel und Bewegung, ums ich im Gottesdienst wohl zu fühlen.
Merle rutscht unruhig auf der Kirchenbank hin und her. Sie tippt ihre Mutter an, möchte etwas fragen. Die aber hält den Zeigefinger vor die Lippen. Merle versucht es beim Vater. „Papa“, fängt sie an zu quengeln. Eine Frau aus der Vorderreihe dreht sich um und schaut das Kind streng an. Merle verzieht den Mund. Gleich fängt sie an zu weinen.

Doch nicht jeder Gottesdienstbesuch mit dem Nachwuchs muss mit Tränen enden. Kinder in der Kirche sind etwas Schönes und Wichtiges für die Gemeinde und es gibt viele Formen und Möglichkeiten, diese Begegnung zu einem positiven Erlebnis für alle werden zu lassen. Allerdings: Ein Patentrezept gibt es dafür nicht. Denn Kinder sind verschieden – und Gemeinden auch. Manche von ihnen lassen sich von der Atmosphäre, dem Gefühl der Geborgenheit und Feierlichkeit des Gottesdienstes so faszinieren, dass sie das Geschehen mit allen Sinnen verfolgen. Andere wiederum fühlen sich wohler, wenn, wie bei einem Kindergottesdienst, viel Raum für Spiel und Bewegung geboten wird.

In welcher Form eine Gemeinde Familien mit Kindern regelmäßig oder ab und zu zum Gottesdienst einlädt, ist von Ort zu Ort sehr verschieden. Es lohnt sich, einfach mal nachzufragen, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren oder auch Wünsche und Anregungen dafür zu äußern, wenn es vielleicht noch kein passendes Angebot gibt.


 

 

Vertraute Lieder und Klänge schaffen Gemeinschaft

Für alle Kinder und alle Gemeinden gilt allerdings: Von ihrem Wesen und Anliegen her ist Kinderkirche nicht weniger bedeutsam als die Gottesdienstformen für Erwachsene. Wie alle Menschen, die sich im Raum Kirche versammeln, finden auch Kinder dort eine Gemeinschaft. Diese kann in besonderen Gestaltungsformen zum Ausdruck kommen. Ihre Worte, ihre Lieder und Klänge, ihre Gesten, ihr Staunen und Klagen, ihre Freude und ihSorgen, ihre Fragen, ihr Lachen und ihre Tränen füllen für eine gewisse Zeit den Raum mit Leben, mit ihrem Leben. Sie kommen zusammen mit der Frage: Was erwartet mich hier? Sie kommen zusammen und erfahren: Gott freut sich über die anderen genauso wie über mich.

Feiern Erwachsene und Kinder zusammen, ist es schön, wenn die Großen den Kleinen zeigen: Es freut mich, dass du da bist. Wir können voneinander lernen. Ich habe Achtung und Verständnis für dein Bedürfnis nach Bewegung und Lebendigkeit. Und ich will dir auch zeigen, wie ich am liebsten Gottesdienst feiere. Es gilt, Balance zu üben, um einerseits dem Bedürfnis vieler Erwachsener nach Ruhe und andererseits dem Bedürfnis vieler Kinder nach Bewegung im Gottesdienst gleichermaßen gerecht zu werden. Liturgie ist eine von Tätigkeitswörtern geprägte Form des Zusammenseins. Die Versammelten begeben sich dabei auf einen gemeinsamen Weg, und die biblischen Ge-schichten sind Teil dieses Geschehens. Erinnern, staunen, loben, fragen, klagen, die Not vor Gott auspacken, bitten, sich freuen, Gott wahrnehmen, von Gott erwarten: Alles das geschieht in der Liturgie mit Worten, Klängen und Gesten. Vielleicht wählen wir mit Kindern andere Worte, Lieder und Gesten – das Geschehen selbst jedoch ist für Kinder ebenso bedeutsam wie für Erwachsene. Kinder sind nicht Objekte, sondern Subjekte religiöser und gottesdienstlicher Handlungen. Es ist spannend, sich mit ihnen auf den Weg zu machen – mit Offenheit und Neugier für ihre Fragen und Anliegen. Denn Kinder fragen im wahrsten Sinne des Wortes grundlegend. Sie fragen hartnäckig, entdecken Antworten, durch die sie auf neue Fragen stoßen. In diesem Sinne sind Kinder Theologen. Sie forschen und fragen nach Gott in ihrem Leben. Als solche sind sie ernst zu nehmen. Als solche hat sie Jesus von Nazareth ernst genommen. Auch Kinder, die im Elternhaus bislang nichts oder nur wenig über biblische Geschichten und christliche Traditionen erfahren haben, sind mit ihren Fragen, ihrer Neugier und ihren eigenen Gedanken willkommen. Sie bekommen Gelegenheit, etwas von Gottes Geschichten und Gottes Wegen mit den Menschen zu hören, und können versuchen, ob und wie sie mit Gott mitgehen möchten. Viele Eltern begrüßen die Möglichkeit, dass Kinder in der Kirche Menschen fi nden, mit denen sie diese Erfahrung machen können – gerade weil sie sich selbst vielleicht unsicher fühlen, wenn es darum geht, Kindern von Gott zu erzählen.


Gottesdienst: Zeit zum Zuhören und Erzählen

Lebens- und Glaubenserfahrungen teilen sich durch Geschichten mit. Gerade dort, wo uns und religiösen Vorstellungen die passenden Worte und Bilder fehlen, dürfen wir auf die poetische und symbolische Kraft von Geschichten vertrauen. Vorausgesetzt, die Vermittlung geschieht in einer guten Atmosphäre der Geborgenheit und Dialogbereitschaft. Die Symbolsprache von biblischen Geschichten und symbolischen Erzählungen folgt mitunter einer anderen Logik, als wir es von der Alltagssprache her gewohnt sind. Sie schafft Zugänge zu tieferen Schichten der Persönlichkeit. Während eine rein sachliche Alltagssprache, die zunehmend aus Kürzeln und Mitteilungen besteht, kaum mehr die schöpferische Imaginationskraft anzuregen vermag, können biblische Geschichten mit ihrem symbolischen und poetischen Gehalt der Seele heilsame und hilfreiche Bilder schenken, in denen Menschen sich „zu Hause“, wertgeschätzt und verwurzelt fühlen.

Text: Susanne Brandt

 

Weitere Themen:

Mit Humor erzieht sich's leichter - Gelassenheit und Humor können im Erziehungsalltag wahre Wunder vollbringen.

So machen Sie Ihr Kind fit für die Schule - Wie Sie Ihrem Kind den Schulstart erleichtern

 

topJump
topJump