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Alle reden von Ökumene - wir leben sie!

Familie Zilling aus Augsburg
„Ich komme aus einer katholischen Familie und engagiere mich seit meiner Jugend in der Pfarrei. Vor 31 Jahren habe ich beim Volkstanz meinen evangelischen Ehemann kennengelernt. Die unterschiedlichen Konfessionen waren für uns beide aber kein großes Thema. Für uns standen immer die christlichen Werte im Vordergrund. Aber ich erinnere mich: Als wir heiraten wollten, las ich in einer Tageszeitung, dass ökumenische Ehen „das Krebsgeschwür in der katholischen Kirche“ seien. Das waren noch andere Zeiten. Wir haben uns für eine katholische Hochzeit entschieden und unsere drei Kindern katholisch taufen lassen, da für uns beide klar war, dass die religiöse Erziehung eher bei mir liegen würde. Den Gottesdienstbesuch haben wir immer ein bisschen aufgeteilt.

An Weihnachten gehen wir zusammen in den katholischen Gottesdienst, an Ostern jeder in seine eigene Kirche. Mein Mann arbeitet seit über 20 Jahren in der evangelischen Gemeinde mit und gemeinsam sind wir im ökumenischen Ausschuss aktiv und haben das Glück, dass unseren beiden Pfarrern die Ökumene am Herzen liegt. Wir haben keine Probleme mit der Verschiedenheit unserer Konfessionen sondern finden dies eher bereichernd. Wir leben Ökumene“!


Familie Flerlage aus Oldenburg

Zehn Kilometer trennten Günther (50) und Regine (48) Flerlage in ihrer Jugend. Er stammt aus dem katholischen Essen-Oldenburg, sie aus der eher protestantischen Stadt Quakenbrück. Als sie sich vor 33 Jahren kennenlernten waren ihre unterschiedlichen Konfessionen anfangs schon ein Thema, aber nie ein Problem. Denn für beide stand immer das Christliche im Vordergrund, nie die Religionszugehörigkeit. „Ich war zur der Zeit in der Kolpingjugend sehr aktiv“, erzählt Günther Flerlage. „Regine kam immer öfter zu den Treffen mit und hat schließlich auch Ferienfreizeiten organisiert.“

Mittlerweile ist sogar nur noch sie aktiv und fährt jedes Jahr im Sommer 10 Tage mit Kindern der Pfarrei, mit anderen Gruppenleitern und dem Pastoralreferenten in die Ferienfreizeit. Das Ehepaar hat eine Versicherungsagentur, und deshalb können nicht beide gleichzeitig in Urlaub. „Zwischendurch dachte ich, dass ich auch katholisch werden könnte“, sagt Regine Flerlage. „Aber da es für mich in der Praxis keinen Unterschied macht, ist dieser Schritt für mich nie notwendig geworden.“ Daniela, das Pflegekind des Paares, das sie vor zwei Wochen adoptieren konnten, haben sie bewusst katholisch taufen lassen. „Unser Freundeskreis ist eher katholisch und wir beide sind auch in der katholischen Pfarrgemeinde aktiv“, erzählen die beiden. Einen Unterschied zwischen ihren Konfessionen macht das Ehepaar nicht. „Die Zeremonien sind für uns nicht so wichtig. Es geht für uns darum, als Christ zu leben.“


Familie Weeren aus Würzburg

„Katholische Trauung mit evangelischer Beteiligung“ – so lautet die korrekte Bezeichnung, wenn sich Christen mit unterschiedlichen Konfessionen katholisch trauen lassen. „Den Titel fanden wir auch seltsam“, sagt Marc Weeren schmunzelnd. „Aber da wir in Würzburg im Käppele heiraten wollten, haben wir uns für die katholische Variante entschieden. Die kirchliche Trauung ist aber für beide Konfessionen gültig“ Der 42-Jährige ist praktizierender Protestant, seine Frau Ute im katholischen Glauben verwurzelt.

Ihre Kinder, die Zwillinge Jette und Anselm, gehören ebenfalls unterschiedlichen Konfessionen an. „Das war wohl Glück, dass wir Zwillinge bekamen. Denn so war es für uns ganz klar, dass Jette katholisch getauft wird und Anselm evangelisch“, erzählt die 45-Jährige. Die unterschiedlichen Konfessionen sind für das Paar im Alltag kein Thema. Nur bei der Taufvorbereitung hat Marc Weerer mit dem katholischen Kirchenrecht gehadert. Das Paar hätte gerne die beiden Taufen an einem Ort abgehalten. Doch das ging nicht. „Es ist schade, dass das katholische Kirchenrecht eine gemeinsame Taufe nicht zulässt und seitens der katholischen Kirche nicht ein persönliches Gespräch gesucht wurde indem die Beweggründe hätten geklärt werden können.

Uns ging es ja nie um eine ökumenische Taufe. Sondern lediglich darum, die beiden Feiern in einem Gotteshaus abzuhalten“, erklärt der 42-Jährige. So gab es dann eben zwei Taufen in zwei unterschiedlichen Kirchen, allerdings am gleichen Tag. Der Kirchenbesuch am Sonntag findet für die 6-jährigen Zwillinge allerdings gemeinsam statt. Manchmal mit Mama in der katholischen Kirche, oder mit Papa in der Evangelischen. „Wir fühlen uns in beiden Gemeinden wohl und sind auch in beiden Pfarreien selbst aktiv“, erzählt das Ehepaar. Ein Übertritt zur Religion des anderen für sie nie Thema.

 

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