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In Ihren Beiträgen für das „Wort zum Sonntag“ rufen Sie immer wieder zu verantwortungsvollem Handeln auf. Brauchen wir christliche Werte, damit das Zusammenleben in der Gesellschaft funktioniert?
Ja, das glaube ich schon. Unsere westlichen Gesellschaften beruhen auf dem Fundament dieser Werte. Und ich denke, dass diese christlichen Werte auch ein Fundament legen, einerseits für die Möglichkeit, sich als Individuum frei zu entfalten, und andererseits auch dafür, in Rücksichtnahme und gegenseitiger Toleranz miteinander zu leben. Die christlichen Werte versuchen, diese wechselseitige Beziehung von Individuum und Gemeinschaft so zu regeln, dass es möglichst große Freiheit für die Einzelnen gibt, aber gleichzeitig eine Verantwortung füreinander und für das Ganze.
In einigen Tagen beginnt in München der 2. Ökumenische Kirchentag. Fühlen Sie sich eigentlich als Katholikin oder als Christin?
Ich fühle mich als katholische Christin. Ich habe den christlichen Glauben in der katholischen Version kennengelernt. Einen allgemeinen christlichen Glauben gibt es derzeit ja nicht. Ich wünsche mir, dass die Kirchen wieder zueinanderfinden. Die Einheit der Christen weiter voranzubringen, ist eins der Hauptziele des Kirchentages.
Was sollte Ihrer Ansicht nach der nächste Schritt in Richtung Ökumene sein?
Es gibt sicher Berufenere, die das beurteilen können. Ich persönlich vertraue sehr auf die Kraft des Gesprächs, und das auf allen Ebenen. Die Ökumene gelingt in den Pfarreien im direkten Dialog zwischen evangelischen und katholischen Christen sehr gut. Der Weltgebetstag der Frauen ist ein Paradebeispiel. Und das wünsche ich mir auf allen Ebenen, auch auf den sogenannten Leitungsebenen, dass es eine Bereitschaft gibt, miteinander zu sprechen, die Gemeinsamkeiten stärker wahrzunehmen und wertzuschätzen und zu prüfen, wie bedeutend tatsächlich die Unterschiede sind.
Verena Maria Kitz (48) ist seit zwei Jahren Sprecherin der ARD-Sendung „Wort zum Sonntag“. Die katholische Theologin arbeitet als Pastoralreferentin in einer seelsorglichen Einrichtung des Bistums Limburg für Mitarbeiter in der Pastoral und in sozialen Einrichtungen. Sie ist verheiratet undhat drei Kinder.
Interview: Christina Tangerding
Fotos: Martin Leissl
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