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Aber wie kann das gelingen – bei Menschen, die in diese kirchlichen Riten nicht mehr hineingewachsen sind?
Da muss natürlich viel zusammenkommen. Zunächst natürlich eine gewisse Offenheit. Ich glaube, es ist die große Chance unserer Zeit, dass niemand mehr kommt, weil es sein muss. Ich habe neulich mit jemand zusammen einen Einkehrtag für erwachsene Taufbewerber gehalten. Das sind Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Situationen kommen und die sich ganz bewusst fragen, wofür sie leben, wo ihr Leben aufgehoben ist, und sich auf eine Suche begeben haben. Außerdem glaube ich an die Kraft der Rituale, wenn sie auf eine gute Art und Weise vermittelt werden. Die Sakramente, von denen wir hier ja sprechen, haben eine lange Tradition. In ihnen steckt eine große Lebenskraft. Es ist eine Aufgabe der Kirche, Menschen zu helfen, das zu verstehen, zum Beispiel, indem sie manches einfach erklärt. Und schließlich halte ich es für wichtig, mit der eigenen Person zu zeigen: Ich persönlich glaube, dass das wahr ist, was hier geschieht, was die Kirche sagt.
Öffentlich über den Glauben sprechen, genau das tun Sie als Sprecherin des „Wort zum Sonntag“. Was ist die wichtigste Botschaft, die Sie mit Ihren Beiträgen vermitteln wollen?
Ich möchte zeigen, dass Gott etwas mit unserem Leben zu tun hat. Dass das nicht zwei getrennte Wirklichkeiten sind, sondern dass die Liebe Gottes mit den Fragen des Alltags zu tun hat. Das hat eine persönliche, aber auch eine politische, gesellschaftliche Dimension. Diese Verbindung versuche ich, zu vermitteln. Das Zweite ist, dass diese Liebe Gottes motivieren kann, sich für die Mitmenschen und für die Schöpfung einzusetzen, für eine Gesellschaft einzutreten, in der alle in ihren Eigenarten rücksichtsvoll miteinander leben können.
Muss sich die Kirche ändern, damit sie wiederattraktiver wird?
Ich mag das Wort attraktiv in diesem Zusammenhang nicht so gerne. Das ist hier nicht die richtige Kategorie. Natürlich ist es schön, wenn es attraktiv ist, in den Gottesdienst zu gehen. Aber für mich hat es mehr damit zu tun, ob die Kirche glaubwürdig ist, das heißt, treu dem Evangelium. Aber was das genau bedeutet, das muss man immer neu prüfen. Die Situation ist jetzt anders als vor fünfhundert oder vor zweitausend Jahren. Insofern ist es für die Kirche natürlich immer wieder wichtig, sich zu ändern. So wie ein Mensch ja auch nicht gleich bleibt, sondern sich weiterentwickelt.
Was muss am dringendsten passieren?
Es ist nötig, dass die Kirchenleute auf die Menschen in ihrer Umgebung zugehen und glaubwürdig von ihrem Glauben erzählen. Aber nicht, indem sie einfach etwas überstülpen, sondern indem sie versuchen, zunächst die Situation der Leute wahrzunehmen und zu schauen, wo sie stehen und welche Fragen sie haben. Die Frage muss sein: Was ist die Sehnsucht derjenigen, mit denen wir zu tun haben, und wie können wir ihnen zeigen, dass die Botschaft vom Reich Gottes damit wesentlich zu tun hat?
Sie sprechen keine Veränderungen im strukturellen Bereich oder in strittigen inhaltlichen Fragen wie dem Zölibat an.
Das sind die Dinge, die diskutiert werden und mit denen ich auch persönlich konfrontiert werde, sobald ich sage, dass ich Katholikin bin. Aber wenn ich jemanden erreichen will, sind das nicht die Themen, die jemanden zum Glauben bewegen, sondern da sind die Fragen des eigenen Lebens die wesentlichen.
Als Pastoralreferentin und in der geistlichen Begleitung pastoraler Mitarbeiter unterstützen Sie Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung. Eignet sich der Glaube als Lebenshilfe?
Ja, natürlich. Denn für mich haben der Glaube und das eigene Leben viel miteinander zu tun. In den Gesprächen geht es im Grunde darum, zu entdecken, was die jeweilige Situation im Leben gerade mit Gott zu tun hat. Wo merke ich etwas von Gott, wo merke ich vielleicht überhaupt nichts von Gott? Wie kann es mir gelingen, Entscheidungen so zu treffen, dass sie mir wirklich zu mehr Leben, mehr Freiheit, mehr innerem Frieden verhelfen? Natürlich ist der Glaube kein Rezeptbuch. Aber wenn ich versuche, mein eigenes Leben wahrzunehmen und mit dem Evangelium ins Gespräch zu bringen, kann ich da ganz wesentliche Ausrichtungen für mein Leben finden. weiter...