Springen Sie direkt:



Ratgeber

Falle ich meiner Tochter zur Last?


Seit mein Mann verstorben ist, verbringe ich jeden Sonntag bei der Familie meiner Tochter. Ich bin dankbar dafür, dass sie mich an ihrem Familienleben teilhaben lässt. Vor Kurzem habe ich jedoch mitbekommen, dass sie deshalb Streit mit ihrem Mann hatte, der sich wünscht, öfter einen Sonntag nur mit ihr und den Kindern zu verbringen. Seitdem fühle ich mich bei den Besuchen nicht mehr wohl. Ich will der Familie nicht zur Last fallen. Soll ich meine Tochter darauf ansprechen?
Gisela M., Wien


P. Erich Modosch: Es gibt zwei Möglichkeiten, die zur Lösung des Problems beitragen können. Die einfachste ist, dass Sie den Vorschlag machen, nicht jeden Sonntag bei der Familie zu sein, weil Sie selbst auch eigene Interessen verwirklichen wollen. Die andere Möglichkeit wäre, das Problem direkt auf den Punkt zu bringen und mit Tochter und Schwiegersohn in einem guten Augen blick zu besprechen, dass ein anderer Rhythmus der Besuche gefunden wird. Als Gegenleistung könnte einfließen, dass sie einmal die Enkel betreuen, damit Tochter und Schwiegersohn etwas allein unternehmen können. Wie in jeder Beziehung ist wichtig, dass Geben und Nehmen, Nähe und Distanz sich die Waage halten. Als ihr Mann noch lebte, war es auch wichtig, dem Partner gewisse Freiheiten einzuräumen. „Jeder Sonntag" könnte sonst sehr schnell zur „Pflicht" werden, und Liebe ist Geschenk, nicht Pflicht.

 

 


Unterschiedliche Vorstellungen von der Erziehung


Mein Mann und ich haben oft sehr unterschiedliche Vorstellungen bei der Erziehung unserer drei Jungen (fünf bis 13 Jahre). Beispiele sind Fernsehen oder Tischmanieren. Können die Kinder verstehen, dass Mutter und Vater verschiedene Regeln aufstellen? Oder sollten wir immer hundertprozentig an einem Strang ziehen?
Carina S., per E-Mail


Sr. Susanne Stachl: Kinder bis zur Pubertät suchen in hohem Maße Leitlinien, an denen sie sich orientieren können, Jugendliche während der Pubertät brauchen ebenfalls Leitlinien, um sie infrage zu stellen und um sich in der Auseinandersetzung damit eigene Grundhaltungen zu erarbeiten. Stellen Mutter und Vater bei einer Angelegenheit unterschiedliche Regeln auf, kann sich ein Kind nicht an beide Regeln halten. Es hat also nur zwei Möglichkeiten: Es kann sich für eine der beiden Regeln entscheiden, kommt aber zugleich in Konflikt mit dem anderen Elternteil. Die zweite Möglichkeit besteht darin, beide Regeln abzulehnen, um Loyalitätskonflikte zu vermeiden. Beides sind höchst unbefriedigende Lösungen. Egal, was das Kind tut, es kann keine Entscheidung finden, die nicht zu Spannungen im Familiengefüge führt. Schlechtes Gewissen ist vorprogrammiert, im ungünstigsten Fall kann es sogar so weit kommen, dass das Kind verinnerlicht: Was ich auch tue, es ist immer falsch. Möchten Sie Ihren Kindern dies ersparen, bleiben Ihnen und Ihrem Mann zwei Möglichkeiten: entweder einigen Sie sich wirklich darauf, immer hundertprozentig an einem Strang zu ziehen, oder Sie teilen Ihre Zuständigkeiten untereinander auf. Zum Beispiel: Für Bettgehzeiten ist der Vater zuständig, fürs Fernsehen die Mutter oder Ähnliches.

 

 

Weitere Themen:

Ratgeber 6/11 - Kontakt zur Tochter auf Facebook?

Ratgeber 5/11 - Die Pflege meines Mannes zermürbt mich

Ratgeber 4/11 - Meine Tochter will zur Castingshow

Ratgeber 3/11 - Jeden Sonntag in die Kirche?

Ratgeber 2/11 - Welchen Sinn hat die Beichte?

Ratgeber 1/11 - Den Enkeln vom Glauben erzählen

topJump
topJump