Springen Sie direkt:



Der tägliche Kampf mit den Hausaufgaben

Letztes Jahr bin ich ungefähr zwei Mal pro Woche wegen der Hausaufgaben ausgerastet. Inzwischen ist es besser geworden und es passiert noch etwa zwei Mal pro Monat. Dann werde ich laut und haue auf den Tisch. Die Gründe sind unterschiedlich. Manchmal rege ich mich über die Lehrerin auf, die etwas aufgegeben hat, was ich als Beschäftigungstherapie empfinde. Oder über einen Aufsatz, der in der zweiten Klasse zum Thema wurde, obwohl er vom Inhalt her in die fünfte oder siebte Klasse gehört hätte. Da hat der Lehrplan einfach ziemliche Mängel und die Lehrer haben leider auch keinen großen Spielraum.

 

Manchmal vermitteln meine Kinder auch, dass sie null Bock haben und hängen motzend auf der Tischplatte rum. Oder sie beginnen, sich zu streiten oder sogar zu hauen. Da kann es dann schon passieren, dass ich mal ein paar Flüche loslasse. Es kam auch schon vor, dass ein Kind übermüdet von der Schule heimkam und deswegen herumheulte. Da hilft dann nur: Ab ins Bett, 20 Minuten dösen oder gar schlafen, dann muss halt am Abend gelernt werden.

 

Das Thema Übertritt wollte ich zunächst vermeiden

 

Zum Glück gehen die Kinder gerne in die Schule, und trotz gelegentlicher Motzereien denke ich, dass sie gut zurechtkommen. Wir Eltern haben auch die Einstellung, dass eine Vier oder Fünf kein Weltuntergang ist. Wobei natürlich eine Zwei schöner ist. Den Druck, den andere Eltern und zum Teil auch die Schule machen, fand ich am Anfang ziemlich doof. Das Thema Übertritt wollte ich zunächst vermeiden. Aber dann kam Amelie schon in der ersten Klasse und meinte: Die Lehrerin hat gesagt, der und der kommt garantiert aufs Gymnasium, wenn er so weitermacht. Das Gymnasium wurde gleich als die Königsklasse verkauft.

 

Bei den Eltern gibt es eine Mischung. Da gibt es sowohl welche, die sagen, mein Kind muss unbedingt aufs Gymnasium, als auch solche, die finden, bloß nicht aufs Gymnasium, wir haben keine Lust, diesen Druck in der Familie zu haben. Ich selbst werde alle infrage kommenden Schulen besuchen, und dann entscheiden wir, was zum einzelnen Kind passt. Was ich schon weiß: Haupt- und Mittelschulen sind besser als ihr Ruf und den zweiten Bildungsweg gibt es ja auch noch. Eltern müssen da mit den eigenen Ansprüchen und der eigenen Enttäuschung umzugehen lernen. Ich gebe auch anderen Eltern gegenüber offen zu, dass es bei uns nicht immer rund läuft, wir auch schon Fünfen hatten. Viele wirken dann erleichtert und geben zu: Bei uns gibt es auch Hängepartien. Es ist beruhigend und schön, zu spüren, dass man da nicht alleine ist.

 

Sie bekommen von Anfang an das Bewusstsein: Du musst Leistung bringen

 

Die Kinder sind heute in der Schule sehr gefordert und sie bekommen von Anfang an das Bewusstsein: Du musst Leistung bringen. Das finde ich bedenklich. Ich erinnere mich, dass Amelie mit der ersten Drei nach Hause kam und gefragt hat: Schimpfst du mich jetzt? Ich habe gesagt: Eine Drei, befriedigend, warum soll ich dich schimpfen? Da hatte sie offensichtlich schon mitbekommen, dass andere für eine Drei Kritik kriegen. Ich versuche, den Kindern zu vermitteln, dass Noten nicht alles sind. Bei uns wird auch der Zeugnistag immer gefeiert. Alle Kinder bekommen die gleichen Belohnungen, wir essen zusammen Pommes, gehen ins Kino oder machen es uns sonst irgendwie schön.

 

Ich fühle mich durch das Thema Hausaufgaben gut gefordert. Dadurch, dass alle Kinder in einem ähnlichen Alter sind, läuft alles immer auf einmal, das ist schon hart. Ich bin auch schon stampfend und fluchend durchs Haus gepoltert und habe gerufen: An dieser Schule geht man von der nicht berufstätigen Ein-Kind-Mutter mit helfender Oma aus! Aber wir wohnen nun mal weit weg von den Verwandten - und mein Mann kommt abends zu spät heim, um beim Üben zu helfen. So habe ich mir eine gewisse Wurstigkeit, einen Mut zur Lücke antrainiert. Und ich achte aufs Geld, denn es wird sicher Phasen geben, wo wir Nachhilfe in Anspruch nehmen.

 

An der eigenen Gelassenheit arbeiten

 

Letztes Jahr habe ich immer von der „Hausaufgaben- Hölle" gesprochen. Da waren die Kinder noch nicht in der schulischen Hausaufgabenbetreuung und es gab jeden Tag Kämpfe. Jetzt ist es entspannter, Amelie kann ja das Gros ihrer Aufgaben erledigen, bevor die Geschwister heimkommen. Und die Zwillinge stampfen nicht mehr gleich auf den Boden, wenn mal was nicht klappt. Natürlich hilft es den Kindern auch, wenn der Erwachsene, der die Hausaufgaben betreut, an der eigenen Gelassenheit arbeitet. Oft koche ich jetzt nachmittags eine Kanne Tee und versuche, das Ganze als eine Art Pause für mich zu sehen. Einfach, um die Dramatik etwas rauszunehmen.

 

Text und Fotos: Christina Tangerding

 

Seite 1 I Seite 2

 

 

Mehr zum Thema

So klappt es mit den Hausaufgaben: fünf Expertentipps

Interview: Wie viel Förderung braucht mein Kind?

 

 

Weitere Themen

Warten auf Weihnachten - Tipps für eine entspannte Adventszeit

KESS erziehen - Wie Sie in der Erziehung die richtige Balance finden

Die Geschichtensammler von Möhringen - Eine Familie auf den Spuren ihrer Ahnen

Gott hat mich lieb! - Mit Kindern den Glauben leben

Selbstversuch: Einen Monat leben von der österreichischen Mindestsicherung

Mein Engel im Advent - Kinder auf Weihnachten vorbereiten

Sag nein zu Gewalt! Kinder stark machen

Lecker und gesund - Tipps für eine ausgewogene Ernährung in der Familie

Mit Humor erzieht sich's leichter

So machen Sie Ihr Kind fit für die Schule

Was macht der Dino in der Kirche? - Wie der Gottesdienstbesuch mit Kindern gelingt

 

 

topJump
topJump