Alle sind anders – so (unterschiedlich) leben Eltern heute
Wenn Paare ein Kind bekommen, wird plötzlich alles ganz anders. Berufliche und finanzielle Situation ändern sich, der ganze Tagesablauf ist nicht mehr wie er vorher war. Eltern zu werden, bedeutet einen Umbruch im Leben und eine gewaltige Herausforderung.
Kindern geht es gut, wenn es den Eltern gut geht. Eltern sind der Schlüssel von Erziehungsprozessen und prägen maßgeblich das Lebensumfeld und die Entwicklung ihrer Kinder. Doch wie leben Eltern eigentlich heute? Wie sieht ihr Alltag aus?
Eltern zu werden, gehört nicht mehr so selbstverständlich zum Lebensentwurf, wie dies noch vor Jahrzehnten der Fall war. Waren Kinder früher selbstverständlicher Bestandteil in einer Biografie von Frauen und Männern, so hat sich dies grundlegend verändert. Elternschaft ist heute eine Möglichkeit neben anderen Lebens- und Partnerschaftsformen. Elternschaft passt heute mit den besonderen Abhängigkeiten immer weniger in den gesellschaftlichen Mainstream. Zudem hat sich der Anspruch an Eltern hinsichtlich einer gelingenden Erziehung, einer anspruchsvollen Partnerschaft und einer (finanziell) verantworteten Elternschaft gewandelt. Eltern wird heute zu Recht ein Maß an Verantwortung für ihre Kinder zugewiesen, das es in früheren Elterngenerationen so nicht gegeben hat.
Die einen fördern extrem - die anderen gar nicht
Der Zulauf zu privaten Schulen, Kindertageseinrichtungen sowie Freizeitaktivitäten, Ernährungsverhalten und Medienumgang der Kinder, ebenso das Umzugsverhalten der Eltern machen deutlich, dass die sozialen Milieus in Deutschland auseinanderdriften. Eine breite bürgerliche Mitte versucht, sich neu zu positionieren und abzugrenzen. Die große Trennungslinie sozialer Abgrenzung verläuft heute zwischen Eltern, die sich aktiv um ihre Kinder kümmern, sie bewusst erziehen und intensiv fördern, und Eltern, die die Entwicklung ihrer Kinder weitgehend „laufen lassen". Der Anteil dieser Eltern liegt bei einem Fünftel. Elternschaft ist keine Solidargemeinschaft mehr. Sie ist vielmehr ein Klärungsprozess, der heute allerdings nicht zu verstärkter Solidarität zwischen Eltern führt.
Eltern sehen sich heute vielfältigem Druck ausgesetzt, sind zu großen Teilen verunsichert und versuchen, den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, die heute an sie gestellt werden. So beherrschten nicht selten Zeitdruck, Organisations- und Leistungsdruck den Alltag von Eltern. Ein Drittel der Eltern fühlt sich im Erziehungsalltag „oft" bis „fast täglich" gestresst, knapp die Hälfte der Eltern immerhin „gelegentlich". Bildungsdruck, Erziehungsdruck, die kaum zufriedenstellende Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch der finanzielle Druck, den vor allem sozial schwache Familien erleben, erschweren Eltern den Alltag mit Kindern. Denn die möglichst frühzeitige Förderung der Kinder, hohe Erziehungsmaßstäbe, hohe Anforderungen an den Beruf und die reale (oder auch gefürchtete) Arbeitslosigkeit setzen Eltern unter erhöhten Druck.
Eltern brauchen mehr Anerkennung
Die wichtigste Botschaft seitens der Eltern: Es gibt nicht das eine Rezept, um Eltern gerecht zu werden. Die Diskussion um die richtigen Maßnahmen darf nicht auf finanzielle Zuwendungen oder den Ausbau von Infrastruktur reduziert werden. Dies würde der Vielfalt und den Wechselwirkungen nicht gerecht werden. Eltern haben nicht den Eindruck, dass sie in der politischen Diskussion angemessen berücksichtigt werden. Sie fühlen sich hohen Erwartungen ausgesetzt und mit diesen gleichzeitig alleine gelassen. Was Eltern brauchen, ist zuallererst eine stärkere Wertschätzung und Anerkennung ihres Lebenskonzeptes. Zentrale Punkte sind die verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine verbesserte Betreuungssituation auch in qualitativer Hinsicht, verbesserte öffentliche Bildungssysteme, ein breites Beratungsangebot und eine verbesserte finanzielle Wertschätzung.
Die Autorin: Christine Henry-Huthmacher ist Leiterin der Abteilung Frauen- und Familienpolitik in der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ihr Text beschreibt die wichtigsten Ergebnisse der von der Stiftung durchgeführten Studie „Eltern unter Druck" aus dem Jahr 2009.
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