Springen Sie direkt:



Gott hat mich lieb! Wie Familie Leicht aus München im Alltag ihren Glauben lebt

 

Da!", sagt Levi (1 ½) und streckt sein rot-oranges Plastikschiff nach oben. Mama soll beim Aufmachen helfen. Maria Leicht (32) betätigt die Hebel, und das Deck klappt nach oben. „Da!", sagt Levi und klaubt einen Plastik-Noah und ein paar Tiere aus dem Schiffsbauch. Dann verzieht er sich zufrieden mit seinem Spielzeug auf den wollweißen Flauschteppich.

 

Jeden Abend bekommen Levi und Rebekka eine geschichte aus der Bibel vorgelesen.

Wer das Wohnzimmer von Familie Leicht in München betritt, stolpert über Kinderbibeln, die neben anderen Kinderbüchern auf dem Boden verstreut sind. An der Wand hängen ein Holzkreuz und zwei Ikonen, auf der antiken Kommode liegt eine aufgeschlagene, schon leicht zerfledderte Bibel. Auf dem Klavier steht ein Buch mit religiösen Kinderliedern. Es ist nicht zu übersehen: Der christliche Glaube spielt im Alltag von Familie Leicht eine wichtige Rolle. Wenn nicht sogar die wichtigste. „Der Grund, weshalb ich lebe, ist, dass Gott mich haben will", erklärt Maria Leicht, eine zarte Frau mit langem, brünetten Haar und einem strahlenden Lächeln. „Das ist meine Lebensgrundlage." Für ihren Mann Christian (34) gilt das genauso. Zusammen leben sie bewusst als gläubiges Ehepaar. Ihre Kinder Levi und Rebekka (3) haben sie von Anfang an einbezogen und ihnen ihren Glauben weitergegeben. Dass die Ehepartner nicht einer Konfession angehören - Maria ist katholisch, Christian evangelisch -, spielt für sie kaum eine Rolle. Entscheidend ist die Bibel als gemeinsame Basis.

 

Tischgebet und biblische Gute-Nacht-Geschichte


Die Besinnung auf die biblische Botschaft prägt den gesamten Tagesablauf der Übersetzerin in Elternzeit und des Bauingenieurs. Schon morgens liest Christian, während die Kinder am Frühstückstisch sitzen, vor der zum Hausaltar umfunktionierten Kommode in der Heiligen Schrift. Maria Leicht verbringt täglich eine „Stille Zeit", wie sie es nennt, in der sie in der Bibel liest. Vor den Mahlzeiten wird ein Tischgebet gesprochen. Häufig werden christliche Lieder gesungen. Manchmal, wenn eins der Kinder hingefallen ist und sich eine Verletzung zugezogen hat, beten die Eltern mit ihm dafür, dass die Wunde bald heilt. Abends vor dem Schlafengehen lesen Mutter oder Vater mit Rebekka und Levi eine Geschichte aus einer der Kinderbibeln und zeichnen ihnen ein Kreuz auf die Stirn. Jeden Sonntag besucht die Familie gemeinsam den Gottesdienst. Seit einem Jahr gehört Maria Leicht zum Vorbereitungsteam für die Kindergottesdienste.


Ganz besonders wichtig ist Maria und Christian Leicht der Kontakt zu anderen gläubigen Familien. So findet alle zwei Wochen ein Bibelkreis bei ihnen in der Wohnung statt. Und Maria Leicht trifft sich wöchentlich mit anderen Müttern und deren kleinen Kindern zur ökumenischen Kleinkindgruppe. Etwa sechs Frauen nehmen an diesen Treffen teil, fünf davon leben im selben Haus wie Familie Leicht. „Der Vermieter mag es, wenn christliche Leute hier einziehen", erklärt Maria Leicht die ungewöhnliche Ballung von gläubigen Familien in dem fünfstöckigen Mietshaus im ehemaligen Arbeiterviertel Giesing. Gemeinsam wollen die Frauen bei diesen privaten Treffen ihren Kindern schon im Kleinkindalter wichtige Glaubensinhalte vermitteln.

 

Mit Kleinkindern über Gott sprechen


So auch an diesem Mittwoch. Es ist kurz vor halb zehn. Maria Leicht wischt noch schnell über den Esstisch und legt eine Kinderbibel, eine Handpuppe mit Löwengesicht und einen großen Spiegel griffbereit auf den Tisch, ihre Utensilien für die kurze, religiöse Einheit, die sie für heute vorbereitet hat. Da klingelt es, und schon stehen die ersten Gäste vor der Tür. Vier Frauen, alle um die dreißig, und fünf Kinder im Alter von vier Monaten bis zweieinhalb Jahren nehmen an dem Treffen teil.


Als alle Jacken und Winterstiefel in der Garderobe verstaut, alle Trinkbecher und Kuscheltiere aus den Taschen gekramt sind, lassen sich die Mütter mit den Mädchen und Jungen im Kreis auf dem Teppich nieder. Dann singen sie das Begrüßungslied. „Ja, grüß' dich, liebe Rahel, ich freu' mich, dass du da bist, und ich weiß, dass Gott dich liebt", beginnt Maria Leicht, und die anderen stimmen ein. Mit der kuscheligen Löwen-Handpuppe streichelt die Gastgeberin dem angesprochenen Mädchen dabei sanft über die Backe. Dann wird das nächste Kind auf dieselbe Weise willkommen geheißen.

 

Seite 1| Seite 2  

 

Mehr zum Thema Kirche:

Interview: Kirche stirbt nicht aus - sie verändert sich nur

Habt Vertrauen, fürchtet euch nicht - Kirche in Stürmischen Zeiten

Großer Malwettbewerb zur Don Bosco Kinderbibel

Religionsbekenntnis: römisch-katholisch

Interview mit Johann Pock: Es muss eine Geh-hin-Kirche geben

Studie Familie und Religion: Ein geistiger Notproviant

 

Weitere Themen

Selbstversuch: Einen Monat leben von der österreichischen Mindestsicherung

Mein Engel im Advent - Kinder auf Weihnachten vorbereiten

Sag nein zu Gewalt! Kinder stark machen

Lecker und gesund - Tipps, wie eine ausgewogene Ernährung in der Familie gelingt

Mit Humor erzieht sich's leichter - Gelassenheit und Humor können im Erziehungsalltag wahre Wunder vollbringen.

So machen Sie Ihr Kind fit für die Schule - Wie Sie Ihrem Kind den Schulstart erleichtern

Was macht der Dino in der Kirche? - Wie der Gottesdienstbesuch mit Kindern gelingt

topJump
topJump