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Kein Mann in Schwarz

  

Die Tür zu seinem Büro steht weit offen. An den wenigen Tagen im Monat, an denen Bruder Jean Paul Muller in der Don Bosco Mission in Bonn weilt, will er für seine Mitarbeiter da sein. Als Leiter der Missionsprokur der Salesianer Don Boscos ist Muller viel unterwegs – in Deutschland, in Europa, in der ganzen Welt. Er reist und arbeitet und wirkt aus einem Grund: Er will benachteiligten Kindern ein besseres Leben ermöglichen. Dafür setzt sich Muller ein, genau wie seine Mitarbeiter, die vom Schreibtisch aus Hilfsprojekte des Ordens für Kinder rund um den Globus koordinieren. Das DON BOSCO magazin war zu Besuch.

 

 

Missionsprokurator Bruder Jean Paul Muller
Auf dem Weg zu seinem Arbeitszimmer sagt Jean Paul Muller noch schnell seinem Besuch Hallo. Zwei Ordensschwestern aus Indien warten im Besprechungsraum. Als Muller eintritt, erheben sich beide, wirken erstaunt ob des großen Mannes, der da in Jeans und blauem Poloshirt vor ihnen steht und der Missionsprokurator sein soll. Muller bemerkt ihren Blick. „Sie haben wohl einen Herrn in Schwarz erwartet, nicht so jemanden wie mich“, sagt er auf Englisch und lacht. Die Schwestern lächeln, ein netter Auftakt für ein Gespräch.

Sie sind hier, um Muller mehrere Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche in Indien vorzustellen. Sie hoffen darauf, dass die Mission sie bei ihren Vorhaben unterstützt. Die Entscheidung liegt bei Muller. Vorerst aber plaudern die drei, dann entschuldigt sich der Missionsleiter. Am Abend, verspricht er, wird er sich mehr Zeit für die Besucherinnen nehmen.

 

So wie Gäste aus Indien kommen viele Menschen aus aller Welt in die Mission. Sie suchen das Gespräch mit Br. Jean Paul, um ihn für ihre Arbeit zu begeistern. Er schätzt diese Treffen. „Ich finde in Gesprächen oft die besten Lösungen, wie wir ein Projekt unterstützen können. Meistens schwingen sie schon in den Worten mit“, sagt Muller. Der 52-Jährige sitzt inzwischen an seinem Schreibtisch, mitten am Tag. Das ist ungewöhnlich. „Normalerweise bin ich hier nur früh morgens oder abends, um Schreibarbeit zu erledigen“, sagt Muller. Sonst sei er im Haus unterwegs, in Gesprächen mit Förderern, Gästen und Mitarbeitern.

Der Terminkalender des Missionsleiters ist so voll mit Dienstreisen, dass er im Schnitt acht Tage im Monat in Bonn ist. In dieser Zeit tauscht er sich intensiv mit seinen Leuten aus, so wie an diesem Tag. Deshalb bricht Muller gegen Mittag zum Rundgang durch die Büros auf. In jedem Zimmer schaut er vorbei, fragt hier und da nach einzelnen Projekten, unterschreibt Formulare, plaudert ein bisschen. Nicht zu lang, sein Tag ist strukturiert: Später steht ein Gespräch mit seinem Stellvertreter an, es folgt eine Budgetplanung und am Abend das Treffen mit den indischen Ordensschwestern. Darauf freut sich Muller. Es sei immer interessant, vom Leben in anderen Ländern zu erfahren. Dabei ist er selbst viel gereist. In 32 Ländern, in denen sich der Orden engagiert, war er zu Besuch. Er spricht fließend Englisch, Italienisch, Spanisch. Und Französisch natürlich, Muller stammt aus Luxemburg.

 

Br. Muller ist oft unterwegs. Sein Ziel ist es, benachteiligten Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.
Besonders lang war der Salesianer unterwegs, als er 2003 die Leitung der Prokur übernahm. Auf einer mehrmonatigen Reise schaute sich Muller etliche Jugendhilfeeinrichtungen an, sprach mit Mitbrüdern und ihren Schützlingen. Vieles, was er sah, gefiel ihm, anderes nicht. Die unzähligen Straßenkinder beispielsweise, an deren Elend sich nichts verändert hatte, obwohl die Salesianer lang vor Ort arbeiteten. „Das regte mich auf“, erinnert sich Muller. Aus dem Gesehenen entstand sein Selbstverständnis als Missionsprokurator. „Wenn wir fünf Jahre lang wo auch immer aktiv sind, und es hat sich nichts für die Kinder gebessert, machen wir etwas falsch. Das will ich verhindern.“

Muller geht also mit einem systematischen Denken an die Arbeit. Er sieht die Prokur nicht in erster Linie als Geldgeber, sondern als unterstützender Partner und Berater für die Salesianer in aller Welt. „Wir schauen, wie wir ein Projekt am sinnvollsten aufbauen, schicken beispielsweise Experten vor Ort, lassen Marktanalysen erstellen und knüpfen Kontakte zu anderen Hilfsorganisationen.“ So ein planerisches Denken fordert er auch von jenen, die sich an die Mission wenden. Das sind viele, nicht nur jene, die den persönlichen Kontakt suchen. Täglich landen Anfragen aus aller Welt auf Mullers Schreibtisch. Da liegt ein Schreiben aus dem Kongo mit der Bitte, eine Operation zu finanzieren, neben der Akte über ein Projekt aus Vietnam, wo die Mission ein Heim für geistig behinderte Jugendliche unterstützt. In Kambodscha bauen Salesianer eine Berufsschule mit einem Zweig Landwirtschaft, auch sie haben sich an Br. Jean-Paul gewandt. „Ein gutes Projekt“, sagt Muller nickend.

Die Schul- und Berufsausbildung von benachteiligten Kindern ist für ihn das wichtigste Thema. „Nur mit nachhaltigen und sinnvollen pädagogischen Konzepten können wir der Jugend eine Perspektive auf ein Leben ohne Elend geben.“ Dieser Wunsch treibt Muller an. Auf seinen Reisen sah und sieht er zu viele Kinder leiden. „Meine Vision ist es, dass es uns und mir gelingt, mit der Jugend die Welt zu verbessern und zu stabilisieren“, bekräftigt Muller. Ganz im Sinne Don Boscos.

 

Text: Anke Hoffmann
Fotos: Anke Hoffmann / Don Bosco Mission

 

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